„Für mich und das, was mir guttut, bleibt kaum noch etwas übrig.“
Diesen Satz sagte mir diese Woche eine Teilnehmerin im Seminar. Er klingt zunächst wie eine Feststellung aus einem vollen Alltag. Job, Verpflichtungen, Termine, Haushalt, Familie und die vielen kleinen Dinge, die nebenbei organisiert werden müssen. Wenn am Ende des Tages noch etwas Zeit bleibt, ist sie häufig bereits so erschöpft, dass für die eigenen Bedürfnisse kaum Energie übrig ist.
Vielleicht kennst Du dieses Gefühl. Du hast Dich um vieles gekümmert, Aufgaben erledigt, auf Nachrichten reagiert, Entscheidungen getroffen und dafür gesorgt, dass der Alltag funktioniert. Du hast vielleicht sogar zwischendurch gedacht: Heute nehme ich mir am Abend Zeit für mich. Doch dann ist es später geworden als geplant, Du bist müde, und aus dem Spaziergang, dem Sport, dem Treffen mit einer Freundin oder der ruhigen halben Stunde mit einem Buch wird wieder nichts.
Morgen ist schließlich auch noch ein Tag.
Und so kann es passieren, dass Du selbst immer weiter nach hinten rutschst. Nicht, weil Dir Deine Gesundheit, Deine Interessen oder Deine Erholung unwichtig sind. Sondern weil andere Aufgaben scheinbar dringender sind und Du Dich daran gewöhnt hast, zuerst zu schauen, was andere brauchen.
Wenn für Dich selbst kaum noch etwas übrig bleibt
Viele Frauen sind es gewohnt, Verantwortung zu übernehmen. Sie sehen, was getan werden muss, denken voraus und kümmern sich. Oft funktioniert das im Alltag auch erstaunlich gut. Du kannst viel bewegen, Probleme lösen und für andere da sein. Doch wenn Deine eigenen Bedürfnisse über längere Zeit immer wieder zurückgestellt werden, entsteht ein Ungleichgewicht.
Du merkst vielleicht zunächst nur, dass Du seltener Dinge tust, die Dir Freude machen. Der Sport fällt aus, weil noch etwas zu erledigen ist. Das Treffen mit einer Freundin wird verschoben, weil jemand anderes Unterstützung braucht. Der Arzttermin für Dich selbst wird auf einen späteren Zeitpunkt verlegt. Und die Frage, wann Du eigentlich einmal ungestört sein kannst, taucht immer häufiger auf.
Irgendwann wird aus einzelnen Ausnahmen ein Muster. Du funktionierst, organisierst und hältst vieles zusammen. Gleichzeitig verlierst Du den Kontakt zu dem, was Dich stärkt, interessiert und Dir guttut.
Dabei ist Selbstfürsorge kein zusätzlicher Luxus, den Du Dir erst leisten kannst, wenn alle anderen Aufgaben erledigt sind. Dein Körper und Dein Nervensystem brauchen regelmäßig Erholung, Bewegung, Nahrung, Schlaf, soziale Verbindung und Zeiten ohne ständige Anforderungen. Diese Bedürfnisse sind keine Belohnung für besonders gute Leistung. Sie gehören zu den Grundlagen, auf denen Deine Gesundheit und Deine langfristige Leistungsfähigkeit aufbauen.
Selbstfürsorge ist die Grundlage für Leistung, Energie und Kraft
Wir sprechen häufig darüber, wie wir unsere Zeit besser organisieren, effizienter arbeiten und unsere Aufgaben bewältigen können. Dabei gerät leicht aus dem Blick, dass unser Körper keine Maschine ist, die dauerhaft auf gleichbleibendem Niveau funktionieren kann.
Anspannung und Aktivität gehören zum Leben. Es gibt Phasen, in denen viel zu tun ist, Entscheidungen getroffen werden müssen und wir mehr Energie aufbringen. Unser Organismus ist darauf vorbereitet, mit solchen Anforderungen umzugehen. Er braucht jedoch auch Phasen der Erholung und Regulation, damit Belastung nicht zum dauerhaften Zustand wird.
Wenn Du über längere Zeit kaum Pausen machst, zu wenig schläfst, Deine eigenen Grenzen übergehst oder ständig auf die Bedürfnisse anderer reagierst, kann sich das auf Dein körperliches und emotionales Wohlbefinden auswirken. Du fühlst Dich vielleicht schneller gereizt, erschöpft oder unkonzentriert. Deine Geduld wird kürzer, und selbst kleine Aufgaben erscheinen plötzlich unverhältnismäßig anstrengend.
Das bedeutet nicht, dass jede Erschöpfung allein durch fehlende Selbstfürsorge entsteht. Auch Arbeitsbedingungen, familiäre Belastungen, gesundheitliche Faktoren und andere Lebensumstände spielen eine Rolle. Es lohnt sich jedoch, den eigenen Alltag ehrlich anzuschauen und sich zu fragen, ob die persönliche Regeneration darin überhaupt einen festen Platz hat.
Denn langfristige Leistungsfähigkeit entsteht nicht dadurch, dass Du immer mehr aus Dir herausholst. Sie braucht auch die Möglichkeit, Energie wieder aufzubauen.
Vom ständigen Kümmern zum bewussten Selbst-Priorisieren
Der Gedanke, sich selbst wichtiger zu nehmen, kann sich für viele Frauen zunächst ungewohnt anfühlen. Vielleicht tauchen sofort Fragen auf: Bin ich dann egoistisch? Was denken die anderen? Wer kümmert sich, wenn ich es nicht tue? Darf ich mir Zeit nehmen, obwohl noch so viel offen ist?
Selbst-Priorisieren bedeutet nicht, dass Du die Bedürfnisse anderer ignorierst oder jede Verantwortung ablegst. Es bedeutet, dass Du Dich selbst in Deine Entscheidungen einbeziehst. Deine Zeit, Deine Energie und Deine Gesundheit werden zu Faktoren, die Du genauso ernst nimmst wie die Anforderungen Deines Umfelds.
Das kann ganz konkret aussehen:
Du fragst Dich vor einer weiteren Zusage, ob Du diese Aufgabe wirklich übernehmen kannst und möchtest. Du prüfst, ob etwas tatsächlich heute erledigt werden muss oder bis morgen warten darf. Du überlegst, welche Verantwortung Du abgeben kannst, statt automatisch selbst einzuspringen. Und Du behandelst einen Termin für Deine eigene Erholung mit derselben Verbindlichkeit wie einen beruflichen oder familiären Termin.
Dabei geht es nicht darum, Deinen gesamten Alltag von heute auf morgen umzustellen. Gerade wenn Du über lange Zeit gewohnt warst, Dich zuletzt zu berücksichtigen, können kleine Entscheidungen einen Unterschied machen.
Vielleicht ist es heute die Entscheidung, Deine Mittagspause tatsächlich zu nehmen. Vielleicht gehst Du nach der Arbeit noch eine Runde spazieren, statt sofort die nächste Aufgabe zu beginnen. Vielleicht sagst Du eine Einladung ab, weil Du Ruhe brauchst, oder Du bittest jemanden um Unterstützung, ohne erst nachweisen zu müssen, dass Du wirklich alles versucht hast.
Ein kleiner Selbst-Priorisierungscheck für Deinen Alltag
Wenn Du herausfinden möchtest, wie viel Raum Du Dir selbst gerade gibst, nimm Dir ein paar Minuten und beantworte die folgenden Fragen möglichst ehrlich. Es geht dabei nicht um eine Bewertung und auch nicht darum, Dir vorzuwerfen, dass Du bisher etwas falsch gemacht hast. Die Fragen sollen Dir helfen, Deine aktuelle Situation bewusster wahrzunehmen.
1. Was tut mir derzeit wirklich gut?
Denke an Aktivitäten, Menschen oder Situationen, nach denen Du Dich ruhiger, lebendiger, klarer oder mehr bei Dir fühlst. Das kann Bewegung sein, Natur, Musik, ein Gespräch, Kreativität, Ruhe oder Zeit ohne Verpflichtungen.
2. Was davon kommt in meinem Alltag tatsächlich vor?
Nicht das, was Du Dir theoretisch wünschst, sondern das, was Du regelmäßig erlebst. Gibt es Dinge, die Du schon lange vermisst? Welche wohltuenden Aktivitäten fallen immer wieder als Erstes aus?
3. Was steht meiner Selbstfürsorge im Weg?
Sind es fehlende Zeit, zu viele Verpflichtungen, Schuldgefühle, Erwartungen anderer, Perfektionismus oder die Gewohnheit, immer zuerst für alle anderen da zu sein? Häufig gibt es mehrere Gründe, die sich gegenseitig verstärken.
4. Welchen kleinen Schritt kann ich in den nächsten sieben Tagen umsetzen?
Wähle etwas, das realistisch und konkret ist. Nicht „Ich muss besser auf mich achten“, sondern beispielsweise: „Ich gehe am Mittwoch nach der Arbeit 20 Minuten spazieren“ oder „Ich prüfe vor jeder neuen Zusage, ob ich die Zeit und Energie dafür habe.“
Ein kleiner Schritt wird nicht automatisch alle Belastungen lösen. Er kann Dir jedoch helfen, wieder Handlungsspielraum zu erleben und Deine eigenen Bedürfnisse bewusster in den Alltag einzubauen.
Du musst Deinen Platz nicht erst verdienen
Vielleicht bist Du sehr gut darin, für andere da zu sein. Vielleicht bist Du diejenige, die den Überblick behält, an alles denkt und auch dann noch eine Lösung findet, wenn es schwierig wird. Diese Fähigkeiten sind wertvoll. Sie sollten jedoch nicht dazu führen, dass Du selbst nur noch dann vorkommst, wenn alle anderen versorgt sind.
Du darfst Zeit für Dich haben, auch wenn noch Aufgaben offen sind. Du darfst Dinge tun, die Dir Freude machen, ohne dass sie einen unmittelbaren Nutzen für andere haben. Du darfst Dich ausruhen, bevor Du völlig erschöpft bist, und Unterstützung annehmen, ohne Deine Belastung erst erklären oder rechtfertigen zu müssen.
Deine Bedürfnisse sind kein Störfaktor in Deinem Leben. Sie gehören zu Deinem Leben dazu.
Wenn Du beginnst, Dich selbst wieder stärker zu berücksichtigen, geht es nicht um eine weitere Optimierungsaufgabe. Es geht um eine tragfähige Balance zwischen Deinen Verantwortlichkeiten und dem, was Du brauchst, um Dich langfristig gesund, klar und handlungsfähig zu fühlen.
Impulse für Deine Gesundheit und Leistungsfähigkeit in der Praxis Lounge
Wenn Du Dich mit Deiner Energie, Deiner Selbstfürsorge und Deiner langfristigen Leistungsfähigkeit beschäftigen möchtest, findest Du in meiner Praxis Lounge „Gesund & leistungsfähig“ weitere Impulse und alltagstaugliche Anregungen.
Dort geht es darum, die eigenen Ressourcen bewusster wahrzunehmen, Belastungen besser einzuordnen und Möglichkeiten zu entdecken, wie Du Deine Gesundheit und Leistungsfähigkeit im Alltag stärken kannst. Die Inhalte ersetzen keine medizinische oder psychotherapeutische Behandlung. Sie können Dir jedoch dabei helfen, innezuhalten und erste Schritte für Dich zu entwickeln.
👉 Zur Praxis Lounge „Gesund & leistungsfähig“
Wenn Du merkst, dass Du Dich selbst über längere Zeit aus dem Blick verloren hast, Dich häufig erschöpft fühlst oder Deine Bedürfnisse kaum noch wahrnimmst, kann auch eine individuelle Begleitung sinnvoll sein. Im Coaching schauen wir gemeinsam auf Deine persönliche Situation, Deine Belastungsmuster und die Veränderungen, die für Dich im Alltag tatsächlich umsetzbar sind.
Du musst nicht erst völlig ausgebrannt sein, bevor Du Dir selbst wieder mehr Aufmerksamkeit schenkst.
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